SPI-KOLLOQUIUM ÜBER POLIZEIforschung UND POLIZEIausbildung – 01.02.2024

Polizeiliche Laufbahnen und Berufswege

Ausgehend von den aktuellen Herausforderungen im Polizeiwesen und den Lehren aus der ersten Ausgabe des Kolloquiums widmeten wir uns diesmal dem Themenkreis der polizeilichen Laufbahnen und Berufswege.

Diese Veranstaltung sollte eine Brücke schlagen zwischen Polizei und Wissenschaft, Praktikern/-innen und Forschern/-innen. An dieser Tagung kamen schweizerische und internationale Experten/-innen zu Wort.

Die Präsentationen der Referentinnen und Referenten sind auf dieser Seite zum Download bereit (zu finden unter dem jeweiligen Programmpunkt).

PROGRAMm

  • 8:30 – 9:00
    ERÖFFNUNG DES KOLLOqUIUMS UND BEGRÜSSUNG philippe müller (SPI) | Stefan Aegerter (SPI)
    8:30 – 9:00
    Referenten
    PHILIPPE MÜLLER (Schweizerisches Polizei-Institut)

    Philippe Müller amtiert seit Juni 2018 als Regierungsrat, Vorsteher der Sicherheitsdirektion des Kantons Bern und für das Amtsjahr 2023/2024 auch als Regierungspräsident. Er ist ausserdem Vorstandsmitglied der Konferenz der Kantonalen Justiz- und Polizeidirektorinnen und -direktoren der Schweiz (KKJPD). Davor präsidierte der studierte Agronom die FDP der Stadt Bern, in der er auch als Fürsprecher fungierte, und war gleichzeitig Vizepräsident der FDP des Kantons Bern. Seit 1. Januar 2022 ist er Präsident des Stiftungsrats SPI.

    STEFAN AEGERTER (Schweizerisches Polizei-Institut)

    Stefan Aegerter, Jahrgang 1975, studierte an der Militärakademie ETH Zürich und an der Universität Bern. Bevor er 2016 ans SPI kam, war er als Berufsoffizier tätig. Stefan Aegerter ist seit 01.01.2022 Direktor des Instituts und in dieser Funktion Mitglied der Konferenz der Kantonalen Polizeikommandantinnen und -kommandanten der Schweiz (KKPKS). Darüber hinaus ist er Projektleiter des Bildungspolitischen Gesamtkonzepts Polizei (BGK). Er vertritt die Schweiz im Vorstand der MEPA und im Governing Board der AEPC sowie bei CEPOL. Am Institute of Criminology der Universität Cambridge ist er Mitglied im International Advisory Board. Stefan Aegerter hat Einsitz in verschiedenen Programmleitungen von CAS- und DAS-Lehrgängen an Schweizer Hoch- und Fachhochschulen im Bereich Polizeiführung und -einsatz. Er ist Präsident der nationalen Prüfungskommissionen «Polizistin / Polizist mit eidg. Fachausweis / eidg. Diplom». Als Oberst in der Schweizer Armee leistet er Dienst im Stab Landesregierung.

  • 9:00 – 9:20
    EINLEITENDE WORTE SILVANA pedrozo (SPI), cecilia stebler (SPI)
    9:00 – 9:20

    Zusammenfassung

    Nach dem Erfolg des ersten Kolloquiums, das 2021 anlässlich des 75. Jubiläums des SPI stattfand, veranstaltet das Institut 2024 eine neue Ausgabe. Die von der Forschungsstelle des SPI ausgerichtete Veranstaltung soll eine Brücke zwischen Praxis und Wissenschaft schlagen und konkret all jene zusammenbringen, die im Polizeiberuf tätig sind und/oder auf diesem Gebiet Forschung betreiben. Der Fokus des Kolloquiums liegt diesmal auf polizeilichen Laufbahnen und Berufswegen. Auf das erste Referat, das die Bedeutung der Forschung für eine qualitativ hochstehende Polizeiausbildung thematisiert, folgen Beiträge zu aktuellen Themen, darunter die Feminisierung der Polizei, der Einstieg in den Polizeiberuf, Arbeitsmodelle, neue Technologien und die Kaderaus- und -weiterbildung. Für all diese Referate konnten wir anerkannte Expertinnen und Experten aus polizeilicher Praxis und akademischer Forschung gewinnen, die innovative Projekte vorstellen, mögliche Stossrichtungen aufzeigen und sinnvolle Forschungsaktivitäten präsentieren – mit dem Ziel, die Strategien und Praktiken der polizeilichen Bildungslandschaft zu optimieren und zu steuern. Diese Einführung gibt einen Überblick über das Programm und ordnet das Kolloquium in das Leistungsangebot des Schweizerischen Polizei-Instituts und seine Strategie 2022–2025 ein.

    Referentinnen
    SILVANA PEDROZO (Schweizerisches Polizei-Institut)

    Wissenschaftliche Mitarbeiterin Forschung, Ph.D.

    CECILIA STEBLER (Schweizerisches Polizei-Institut)

    Stellvertretende Bereichsleiterin Forschung und Sprachen

  • 9:20 – 10:00
    Referat EVIDENCE-BASED POLICING: WISSENSCHAFT UND EMPIRISCHE EVIDENZ ZUR VERBESSERUNG DER POLIZEIARBEIT peter neyroud (university of cambridge)
    9:20 – 10:00

    Zusammenfassung

    In diesem Referat geht es um Evidence-based policing und dessen Potenzial zur Unterstützung der stetigen Verbesserung in der Polizeiarbeit. Nach einer Einführung der Schlüsselkonzepte der evidenzbasierten Polizeiarbeit und der drei «Ts» (Targeting, Testing, Tracking) wird anhand von Beispielen aus dem Polizeikaderprogramm der Universität Cambridge das Potenzial dieses Ansatzes aufgezeigt. Der zweite Teil befasst sich mit der Entwicklung eines evidenzbasierten Ansatzes in der Polizeiarbeit und dessen Einbettung in die Organisation.

    Präsentation Neyroud: «Evidence-based policing»

     

    Referent
    PETER NEYROUD (University of Cambridge)

    Peter Neyroud leitet das Polizeikaderprogramm am Institute of Criminology der Universität Cambridge, einen Master in angewandter Kriminologie und Polizeiführung. Als assoziierter Professor lehrt er Evidence-based policing am Jerry Lee Centre for Experimental Criminology. Zu seinen Forschungsschwerpunkten gehören polizeiliche Diversion von Straftätern, Kriminalitätsschäden, Polizeiethik, Community Policing, die Auswirkungen von COVID-19 auf die Polizeiarbeit sowie Polizeiführung und -management. Er veröffentlichte Werke über Polizeiethik, Polizeiführung und Polizeiarbeit während COVID-19. 

    Peter Neyroud war über 30 Jahre als Polizist bei den Polizeien Hampshire, West Mercia und Thames Valley tätig (bei letzterer als Polizeipräsident). Er gründete und leitete die National Policing Improvement Agency (als Polizeipräsident und Direktor). In letzterer Funktion war er für die nationale Umsetzung aller wichtigen Programme bei der Polizei des Vereinigten Königreichs zuständig, darunter Community Policing, Personalreform und neue Technologien. 

    2010 wurde er vom britischen Innenministerium beauftragt, die polizeiliche Führung und Ausbildung einer grundlegenden Reform zu unterziehen. So entstand 2012 das nationale College of Policing und die Anforderungsprofile und das Training von Polizistinnen und Polizisten wurden von Grund auf reformiert, was zur Schaffung des neuen Police Education Qualification Framework führte. 

    Peter Neyroud hält die Co-Präsidentschaft des Campbell Collaboration Crime and Justice Coordinating Group und leitet ein internationales Programm zur systematischen Überprüfung der Terrorismus- und Radikalisierungsprävention. Er arbeitet gemeinsam mit dem UNO-Büro für Drogen- und Verbrechensbekämpfung an Community Policing und Terrorismus- und Radikalisierungsprävention in Bangladesch. Peter Neyroud ist ausserdem Mitglied des Wolfson College, Cambridge. 

    Er ist britischer und Schweizer Staatsbürger – sein Heimatort ist Chardonne im Kanton Waadt.

  • 10:00 – 10:40
    Referat POLIZISTINNEN UND POLIZISTEN IN DER SCHWEIZ ZU BEGINN IHRER AUSBILDUNG – AUSGEWÄHLTE BEFUNDE EINER REPRÄSENTATIVEN BEFRAGUNG dirk baier (ZHAW)
    10:00 – 10:40

    Zusammenfassung

    Der Beginn der Polizeiausbildung stellt eine wichtige Phase im Berufsleben von Polizistinnen und Polizisten dar. Um diese Phase sowie den weiteren Verlauf der zweijährigen Ausbildung zu untersuchen, hat die Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften zusammen mit der Universität Lausanne und dem Schweizerischen Polizei-Institut erstmalig eine Studie gestartet, die alle angehenden Polizistinnen und Polizisten der sechs Polizeischulen des Jahrgangs 2022/2023 im Laufe ihrer Ausbildung zu insgesamt vier Zeitpunkten befragen wird. Die erste Befragung ist inzwischen abgeschlossen und es liegen Angaben von 818 Polizistinnen und Polizisten in Ausbildung vor, was nahezu einer Vollerhebung des Jahrgangs entspricht. In dieser Befragung wurde eine Vielfalt an Themen adressiert, so u. a. die Motive für die Wahl des Polizeiberufs, Erwartungen an die Ausbildung und die Tätigkeit sowie verschiedene polizeibezogene und generelle Personenmerkmale und Einstellungen. Im Vortrag werden die zentralen Befunde der ersten Befragung zu den genannten Themen vorgestellt. Teilweise können dabei Vergleiche zur Allgemeinbevölkerung gezogen werden. Anhand der Ergebnisse kann aufgezeigt werden, wer die Polizeiausbildung mit welchen Erwartungen beginnt. Dies bildet die Grundlage für die weiteren Datenerhebungen, anhand derer dann die Entwicklung von Motiven, Merkmalen und Einstellungen untersucht werden kann.

    Präsentation Baier: «Polizistinnen und Polizisten zu Beginn ihrer Ausbildung»

    Referent
    DIRK BAIER (Zürcher Hochschule für angewandte Wissenschaften)

    Dirk Baier hat wiederholt zu polizeibezogenen Themen geforscht, so u. a. zu Polizistinnen und Polizisten als Opfer von Gewaltübergriffen oder zum Einsatz von Bodycams. Zudem beschäftigt er sich mit der Analyse spezifischer Kriminalitätsphänomene wie Jugendgewalt, häuslicher Gewalt, Extremismus und Menschenhandel.

  • 10:40 – 11:00
    Pause
  • 11:00 – 12:00
    Workshop 1 FEMINISIERUNG DES POLIZEIBERUFS karin ducommun (police cantonale genève) | Sibylle olbert-bock (ostschweizer fachhochschule)
    11:00 – 12:00
    OBERES KADER DER KANTONSPOLIZEI GENF

    Zusammenfassung

    Aus historischer Sicht hat sich die Rolle der Frauen in der Schweiz seit Ende des Zweiten Weltkriegs deutlich gewandelt. Bis dahin wurde den Frauen nachrangige Funktionen zugeteilt, die der traditionellen Rollenverteilung zwischen den Geschlechtern entsprachen. So erhielten auch die ersten Frauen bei der Polizei Aufgaben im Bereich der Kommunikation und der sozialen Betreuung sowie in Sektoren wie dem Strassenverkehr oder kleinere kriminalpolizeiliche Ermittlungsaufträge. Erst seit 1987 werden den Frauen in der Sicherheitspolizei die gleichen Funktionen wie ihren männlichen Kollegen zugewiesen, in der Gendarmerie erst seit 1988. Doch wie sieht es heute aus? Der Anteil weiblicher Führungskräfte bei der Genfer Polizei ist nach wie vor gering. Daher ist es nötig, die Gründe dafür zu verstehen und günstige Bedingungen für eine komplementäre Rollenverteilung zwischen den Geschlechtern zu schaffen, die eine repräsentative Vertretung der Bevölkerung innerhalb der Polizei ermöglicht. Die Genfer Polizei arbeitet an einer Feminisierung ihrer Berufsbilder, insbesondere mit Blick auf die Unternehmenskultur, die Work-Life-Balance, flexible Arbeitszeiten und ihre Attraktivität als Arbeitgeberin.

    Präsentation Ducommun: «Oberes Kader der Kantonspolizei Genf»

    KARIN DUCOMMUN (Police cantonale Genève)

    Karin Ducommun absolvierte 1987 eine dreijährige Lehre als Polizistin. Nach der Ausbildung und einer Tätigkeit in verschiedenen Einsatzgruppen und in der Quartierpolizei, kam sie 2010 als Instruktorin zum Zentrum für Aus- und Weiterbildung der Polizei und stieg anschliessend zur Leiterin der polizeilichen Weiterbildung auf. Im Jahr 2016 wurde Karin Ducommun zur höheren Beamtin für Community Policing ernannt. Als Major leitet sie seit dem 1. Mai 2022 die Abteilung Community Policing, die der Gendarmerie angegliedert ist. Diese Abteilung umfasst sieben Bezirke und mehrere Einheiten (Einheit für Bildung und Prävention, Reiterstaffel, Gruppe Asylbewerber und Einheit Verbrechensbekämpfung) und zählt rund 240 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, was etwa 224 Vollzeitäquivalenten (VZÄ) entspricht. In ihrer beruflichen Laufbahn hat Karin Ducommun sich auch auf das Training von Polizeischiessen sowie Interventionstaktiken und -techniken spezialisiert, wobei sie als Coach für die Auszubildenden sowie als «Debriefing Officer» innerhalb der Debriefing-Gruppe tätig ist. In diesem Rahmen absolvierte sie Zertifikatslehrgänge in Notfallpsychologie beim Nationalen Netzwerk Psychologische Nothilfe (NNPN) und eine Ausbildung in Neurolinguistischer Programmierung (NLP). 

    ZUKUNFTSORIENTIERTE FÜHRUNG – EQUAL LEADERSHIP GANZHEITLICH UMSETZEN: EINBLICKE IN EIN PROJEKT MIT STADTPOLIZEIEN

    Zusammenfassung

    Gesellschaftliche Entwicklungen und Veränderungen in der Zusammensetzung der Belegschaft stellen neue Anforderungen an Führung. Sie werfen die Frage nach der Bedeutung von Vielfalt in der Lösung künftiger Herausforderungen und der Führung auf. Immer wichtiger werden dabei die Potenziale von Frauen. Bisher besteht allerdings wenig Wissen dahingehend, wie sich ihr Weg in Führungsfunktionen gestaltet, welche Erfahrungen sie machen und was zu einer grösseren Vielfalt beiträgt.
    In dem Beitrag werden Ergebnisse und erste Umsetzungen des Projektes «Equal Leadership» vorgestellt. Es hat zum Ziel, dass zukunftsrelevante Stärken von Frauen Berücksichtigung erfahren und genutzt werden. Gestartet ist das Projekt 2021 in drei Stadtpolizeien. Es werden Ergebnisse zu künftigen Anforderungen an Führung, der mögliche Beitrag von Frauen, bestehenden Erfahrungen im Werdegang sowie im Projekt erarbeitete Ansatzpunkte einer systematischen Förderung von Frauen und Männern in Führungsfunktionen vorgestellt.

    Präsentation Olbert-Bock: «Zukunftsorientierte Führung» 

    SIBYLLE OLBERT-BOCK (Ostschweizer Fachhochschule)

    Prof. Dr. Sibylle Olbert-Bock führt das Kompetenzzentrum Leadership & Personalmanagement an der Ostschweizer Fachhochschule, St. Gallen. Aktuelle Forschungsschwerpunkte sind Modernisierung und Digitalisierung im Personalmanagement, Entwicklung von Organisationen und Leadership sowie HR-Governance.
    Sie ist in Freiburg (D) geboren und bringt umfassende Erfahrungen aus einem Vierteljahrhundert in verschiedensten Führungs- und Beiratsfunktionen in Privatwirtschaft, öffentlichen Organisationen und NPOs mit. 

    Webseite

  • 11:00 – 12:00 
    Workshop 2 DIVERSITÄT UND INKLUSION IM POLIZEIWESEN NATHALIE PASCHE (FHNW) I OLIVIA CUTRUZZOLA (POLICE CANTONALE VAUDOISE)
    11:00 – 12:00 
    POLIZEI ALS FAMILIE – WARUM DIVERSITY MANAGEMENT IN DER POLIZEI SCHWIERIG IST

    Zusammenfassung

    Das Polizeipersonal ist weltweit mit Blick auf Geschlecht, Migrationshintergrund und Ausbildungshintergrund vielfältiger geworden. Auch LGTBQ+-Polizeivereine stellen eine Zunahme an Mitgliedschaften fest. Dennoch sind Minoritäten in der Polizei im Vergleich zur vielfältigen Bevölkerung nach wie vor unterrepräsentiert, in manchen Ländern stagniert die Entwicklung sogar. In der Forschung werden verschiedene Herausforderungen identifiziert, die ein Diversity Management in der Polizei erschweren. Als häufigste Ursache wird die männliche Cop Culture gesehen, welche mit bestimmten (diversitätsfeindlichen) Haltungen einhergeht.
    Dieser Beitrag möchte aufbauend auf eigenen Forschungserkenntnissen aufzeigen, weshalb Diversity im polizeilichen Kontext negativ konnotiert ist. Anhand verschiedener Beispiele wird verdeutlicht, dass Diversitätsförderung mit polizeikulturellen Werten wie Loyalität oder kollegialem Zusammenhalt im Widerspruch steht. Polizeikulturelle Werte sind allerdings nicht in Stein gemeisselt und werden permanent über organisationale Narrative wie «Polizei als Familie» vermittelt und aufrechterhalten.

    Präsentation Pasche: «Polizei als Familie» 

    NATHALIE PASCHE (Fachhochschule Nordwestschweiz)

    Nathalie Pasche ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Sozialplanung, Organisationaler Wandel und Stadtentwicklung (ISOS) der Hochschule für Soziale Arbeit FHNW. 2013 absolvierte sie das Masterstudium in Sozialer Arbeit und Sozialpolitik an der Universität Fribourg (CH). Aktuell promoviert sie an der Universität Siegen (DE) im Bereich Soziologie zum Thema Diversitätsnarrative in der Polizei. In ihrem Promotionsprojekt untersucht sie am Beispiel von zwei Schweizer Polizeikorps, wie die Polizeikultur das Sprechen über Differenzen beeinflusst. Im Rahmen ihrer Anstellung an der FHNW arbeitete sie in einem Forschungsprojekt zum ethnischen Differenzieren im öffentlichen Dienst am Beispiel eines Jugendamts und einer Polizei. Ihre Themen- und Forschungsgebiete sind das Verhältnis zwischen Polizei und sozialer Arbeit, SIP-Organisationen in der Schweiz und Diversität in der Polizei.

    DIALOG ALS SOLIDES FUNDAMENT: DAS BEISPIEL DER KANTONALEN PLATTFORM DER AUSLÄNDISCHEN GEMEINSCHAFTEN, DES BCI UND DER KANTONSPOLIZEI WAADT

    Zusammenfassung

    Im Rahmen der Bekämpfung von Rassismus und Diskriminierung haben die kantonale Fachstelle für Integration und Prävention von Rassismus im Kanton Waadt (Bureau cantonal pour l’intégration des étrangers et la prévention du racisme, BCI) und die Kantonspolizei Waadt in enger Zusammenarbeit eine Plattform geschaffen, die den Austausch zwischen den verschiedenen Institutionen und den im Kanton Waadt lebenden ausländischen Gemeinschaften fördern soll. Sie wurde im März 2022 anlässlich der Aktionswoche gegen Rassismus in Betrieb genommen und steht unter der gemeinsamen Leitung des BCI und der Kantonspolizei. Ziel der Plattform ist es, die im Kanton ansässigen ausländischen Gemeinschaften bestmöglich zu vertreten und als gemeinsame Schnittstelle zwischen ihnen, der kantonalen Verwaltung und den Polizeibehörden zu dienen. So soll das gegenseitige Verständnis für die unterschiedlichen Bedürfnisse aller beteiligten Anspruchsgruppen gefördert werden. Den Mitgliedern der Plattform kommt dank ihrer Verankerung in der Region und ihrer Erfahrung in der Zusammenarbeit mit den Nutzerinnen und Nutzern eine zentrale Rolle bei der Stärkung des sozialen Zusammenhalts zu. Welche Bilanz kann nach dem zweijährigen Bestehen der Plattform gezogen werden?

    Präsentation Cutruzzolà: «Dialog als solides Fundament»

    OLIVIA CUTRUZZOLÀ (Police cantonale vaudoise)

    Olivia Cutruzzolà ist Offizierin bei der Kantonspolizei Waadt und zuständig für Diversität, Prävention und Bürgerarbeit. Sie erwarb 2004 und 2017 an der Universität Lausanne zwei Masterabschlüsse in Politik- und Sozialwissenschaften sowie Kriminologie. Ihre berufliche Laufbahn begann Olivia Cutruzzolà im März 2009 bei der Kantonspolizei Waadt, wo sie zunächst als Pressesprecherin und Kommunikationsbeauftragte tätig war. 2018 absolvierte sie an der Fachhochschule Westschweiz HES-SO den CAS-Lehrgang Conduite des engagements de police à l’échelon d’officier (Führung im Polizeieinsatz auf Offiziersstufe) und leitet heute eine Abteilung, welche die Bereiche Kriminalprävention, Beschwerde- und Bedrohungsmanagement umfasst. Olivia Cutruzzolà befasst sich intensiv mit den gesellschaftlichen Herausforderungen im Bereich Diversität sowie mit der Betreuung gefährdeter Zielgruppen und hat an der Umsetzung verschiedener polizeilicher Präventions-, Sensibilisierungs- und Schulungsmassnahmen im Zusammenhang mit LGBTIQ- und rassistischer Diskriminierung mitgewirkt.

  • 11:00 – 12:00
    Workshop 3 POLIZEILICHE ARBEITSFORMEN UND WORK-LIFE-BALANCE ELIN GRANHOLM VALMARI I robert tanner (Police cantonale genève)
    11:00 – 12:00
    WORK-LIFE-BALANCE IM UNIFORMIERTEN POLIZEIDIENST

    Zusammenfassung

    Uniformierte Polizeibeamtinnen und -beamte sind in ihrem Berufsalltag mit grossen Herausforderungen konfrontiert. Sie haben lange Arbeitszeiten und leisten häufig Überstunden. Trotz des Wissens um diese Lage besteht ein Mangel an Forschung zur Frage, wie diese anspruchsvolle Arbeit die Tätigkeiten und Rollen der Betroffenen im Privatleben beeinflusst. In Interviews für eine Forschungsarbeit über die Work-Life-Balance von Polizistinnen und Polizisten kamen wir zu folgenden Erkenntnissen:

    • Obwohl die Unvorhersehbarkeit eine wichtige Komponente in der Arbeitsmotivation darstellt, verursacht diese auch Konflikte mit Bezug auf familiäre Pflichten, insbesondere bei Überziehen der Arbeitszeiten.
    • Das Gefühl, nach der Arbeit ausgelaugt zu sein, führt dazu, dass die Betroffenen nicht genug Energie für ihre Tätigkeiten und Rollen im Privatleben haben. Darunter leidet ihr Sozialleben, und es entsteht ein Gefühl der Unzulänglichkeit.
    • Um mit den Risiken, die mit dem Beruf verbunden sind, umzugehen, erlegen sie sich Einschränkungen auf, die ihre Tätigkeiten und Rollen im Privatleben betreffen.
    • Es besteht zwar ein grosses Kommunikationsbedürfnis im Privaten, doch viele Betroffene kommen diesem nicht nach: Sie bauen emotionale Last nicht ab, sondern häufen diese im Gegenteil an.

    Der Polizeiberuf ist anspruchsvoll. Daher ist es wichtig, die sozialen Auswirkungen, die die Arbeit indirekt auf das Privatleben hat, zu mildern. Schliesslich brauchen wir Polizistinnen und Polizisten, die sich sowohl privat als auch im Beruf wohlfühlen.

    Präsentation Granholm: «Work-life Balance im uniformierten Polizeidienst»

    ELIN GRANHOLM VALMARI (Umeå University, Sweden)

    Elin Granholm Valmari ist Ergotherapeutin und derzeit als Dozentin im Ergotherapie-Programm der Abteilung Community Medecine and Rehabilitation an der Universität Umeå, Schweden, angestellt. Ergotherapie oder Beschäftigungstherapie befasst sich mit den Tätigkeiten und Rollen von Menschen im Alltag. Elin Granholm Valmari untersucht die Work-Life-Balance von uniformierten Polizistinnen und Polizisten, ist in der Lehre aktiv und leistet klinische Ergotherapie. 

    Webseite

    ARBEITEN IN EINEM POLIZEIKORPS – EINMAL ANDERS

    Zusammenfassung

    Die Arbeitswelt ist mit einer Vielzahl von Herausforderungen konfrontiert. So beeinflusst der Generationenwechsel die Haltungen und Einstellungen der Mitarbeitenden von Polizeikorps. Eine Hauptproblematik liegt im Management der Arbeitszeit: Es kommen neue Modelle auf wie Teilzeitarbeit, Job Sharing und Top Sharing. Diese Ansätze verbessern die Attraktivität von Arbeitgebern bei der Personalgewinnung und bieten Flexibilität bei der Personalverwaltung, erfordern jedoch auch eine Anpassung in den Polizeikorps, um den Bedürfnissen der einzelnen Generationen gerecht zu werden.

    Auch unternehmerische Ambitionen sind ein wichtiges Thema, insbesondere bei jungen Berufseinsteigerinnen und -einsteigern, die auf eine grössere Autonomie in ihrer beruflichen Laufbahn Wert legen. Die Schaffung einer eigenen Unternehmenstätigkeit wird zu einer attraktiven Option für die Erfüllung von beruflichen Träumen und eine selbstbestimmte Karriereentwicklung. Jedoch steht dies nicht immer im Einklang mit der Erhaltung der Leistungsstabilität und den operativen Bedürfnissen.

    Ebenso haben ökologische und berufsethische Aspekte einen wichtigen Stellenwert in modernen Organisationen. Mitarbeitende aller Generationen möchten Arbeitgeber, die sich für Nachhaltigkeit in Umwelt- und Ethikfragen einsetzen. Auch die Polizeikorps müssen diesen Erwartungen Rechnung tragen und verantwortungsvolle Praktiken umsetzen – von der Verringerung ihres ökologischen Fussabdrucks bis hin zur Umsetzung von Diversität und Inklusion.

    In diesem Referat werden diese für die Polizeikorps wichtigen Themen aus verschiedenen Blickwinkeln beleuchtet. Robert Tanner wird den Generationenwechsel und den Umgang damit, die fortschreitende Individualisierung in der Gesellschaft und flexible Arbeitszeitmodelle, die Herausforderungen und Chancen des Unternehmertums sowie Strategien zur Förderung von ökologischer und berufsethischer Verantwortung behandeln. Das Referat soll als Ausgangspunkt zur Diskussion innovativer Lösungen und bester Praktiken dienen, um ein Arbeitsumfeld zu schaffen, das von Gleichgewicht, Inklusion und Nachhaltigkeit für aktuelle und künftige Generationen geprägt ist.

    Präsentation Tanner: «Arbeiten in einem Polizeikorps»

    ROBERT TANNER (Police cantonale Genève)

    Robert Tanner (55) ist Experte für Personalwesen. Er hat ein eidgenössisches Diplom in der Leitung Human Resources und verfügt über nachweisliche Berufserfahrung in diesem Bereich. Im Laufe seiner vielseitigen Karriere war er in der Privatwirtschaft sowie im halböffentlichen und öffentlichen Sektor tätig, wo er sich auf die Berufe des Sicherheitswesens spezialisierte.

    Robert Tanner ist auch in der Ausbildung sowie als Autor und Redner bei Konferenzen im Zusammenhang mit verschiedenen humanwissenschaftlichen Themen aktiv. Als anerkannter Experte für Körpersprache eröffnet er einzigartige Einblicke in die Funktionsweise der emotionalen Intelligenz. Er schreibt ausserdem regelmässig Kolumnen über Management- und Führungsthemen und teilt seine Forschungsarbeit und sein Fachwissen mit einer breiten Leserschaft.

    Als aktives Mitglied der HR-Konferenz der lateinischsprachigen Polizeien und des Ausschusses des Genfer HR-Verbands spielt Robert Tanner eine wichtige Rolle im Sektor des Personalwesens. Während vieler Jahre leitete er die Rekrutierung und Auswahl zur Besetzung hoch exponierter Funktionen, wobei er neuste Tools und Praktiken ausarbeitete, um diese Stellen erfolgreich zu besetzen.

    Mit seinem humanen Ansatz leitet Robert Tanner seit 2013 das Personalwesen der Genfer Kantonspolizei, wo er eine umfassende HR-Strategie in den Bereichen Karrieremanagement, Evaluation und Kompetenzentwicklung sowie im Bereich der Verbesserung der Lebensqualität im Beruf auf die Beine gestellt hat.

  • 12:00 – 13:15
    Pause
  • 13:20 – 14:00
    Referat STUDIE ZUM PROFIL VON POLIZEIANWÄRTERINNEN UND -ANWÄRTERN: WELCHE KOMPETENZEN WERDEN VON IHNEN VERLANGT? annie gendron (ENPQ) i yanick aubert (enpq)
    13:20 – 14:00
    STUDIE ZUM PROFIL VON POLIZEIANWÄRTERINNEN UND -ANWÄRTERN: WELCHE KOMPETENZEN WERDEN VON IHNEN VERLANGT?

    Zusammenfassung       

    Die Polizeiausbildung ist in Québec so aufgebaut, dass die Rekrutinnen und Rekruten zunächst ein Auswahlverfahren am College durchlaufen müssen, um in das Programm für Polizeitechniken und die École nationale de police du Québec (Nationale Polizeiakademie von Québec) aufgenommen zu werden und sich dann mit ihrem Abschluss bei den Polizeikorps bewerben zu können. Dieser Ablauf soll sicherstellen, dass die von den Polizeikorps angestellten Anwärterinnen und Anwärter die verlangten Kompetenzen aufweisen. In diesem Beitrag werden die Ergebnisse einer Studie über diese Kompetenzen vorgestellt. Die Auswertung der anhand der Befragung von Polizeimentorinnen und -mentoren (N = 365), und von Polizeikadern (N = 25) gesammelten Daten zeigt ein klares Bild über einige herausragende Eigenschaften. Behandelt werden hier die für die Auswahl und die Polizeiausbildung zu priorisierenden Ziele und die Ergebnisse aus dem experimentellen Einsatz eines psychometrischen Tools zur Messung der verlangten Eigenschaften.

    Referentin: Annie Gendron, Ph. D., Forscherin, École nationale de police du Québec
    In Zusammenarbeit mit Yanick Aubert, M. Psy., Psychologin und Teamleiterin, École nationale de police du Québec

    Präsentation Gendron & Aubert: «Studie zum Profil von Polizeianwärterinnen und -anwärtern»

    referentinnen
    ANNIE GENDRON (Ecole nationale de police du Québec)

    Annie Gendron, Ph. D., hat einen Doktortitel in Psychologie. Sie forscht am Centre de recherche et de développement stratégique (CRDS, Zentrum für Forschung und Strategieentwicklung) der École nationale de police du Québec, ist als assoziierte Professorin an der Abteilung für Psychoedukation der Université du Québec à Trois-Rivières tätig und ist Co-Inhaberin des Forschungslehrstuhls für die Prävention psychologischer Erkrankungen am Arbeitsplatz in der öffentlichen Sicherheit sowie angegliederte Forscherin am interuniversitären Centre international de criminologie comparée (Internationales Zentrum für vergleichende Kriminologie). Ihre Forschungsinteressen reichen von der Kandidatenauswahl für den Polizeiberuf über die Aus- und Weiterbildung bis zum Polizeieinsatz in Québec. Zu ihren Forschungsschwerpunkten gehören unter anderem die akademische und berufliche Laufbahn von Polizistinnen und Polizisten, Auswahltests, die Prävention psychologischer Gesundheitsprobleme im Bereich der öffentlichen Sicherheit, Praktiken der Zwangsanwendung, Polizei und Suizidsituationen und die Herausforderungen des Polizeieinsatzes im indigenen Kontext.

    YANICK AUBERT (Ecole nationale de police du Québec)

    Seit 1998 arbeitet Yanick Aubert als Organisationspsychologin sowie als Teamleiterin am Centre d’Évaluation des Compétences et Aptitudes Professionnelles (CECAP). Das CECAP untersteht dem Service des Expertises (SDE) und der Direction de la Recherche, de l’Expertise et de la Pédagogie (DREP) der École nationale de police du Québec (Nationalen Polizeiakademie von Québec). 
    Im Laufe der Jahre hat sich Yanick Aubert auf die Evaluation der Kompetenzprofile von Kandidatinnen und Kandidaten mit Blick auf die Anforderungen der angestrebten Position spezialisiert. Evaluationen werden sowohl bei der Personalgewinnung als auch bei der Auswahl von Angestellten für Beförderungen und Versetzungen in verschiedenen Funktionen (z. B. Direktor/-in eines Polizeikorps) im weitläufigen Bereich der öffentlichen Sicherheit eingesetzt.
    Yanick Aubert berät ausserdem Polizeiorganisationen bei der Entwicklung ihrer Auswahlverfahren. So orientiert sie bei der Auswahl der relevanten Beurteilungsinstrumente und achtet auf die Einhaltung der besten Beurteilungspraktiken, um einheitliche und faire Auswahlprozesse zu gewährleisten.
    In jüngster Zeit beteiligt sich Yanick Aubert an Studien zur Untersuchung der für die Streifenpolizei erforderlichen Eigenschaften. Sie beteiligt sich gemeinsam mit Partnern an Arbeiten über die psychologische Gesundheit von Polizeibeamtinnen und -beamten und an verschiedenen Initiativen zur Umsetzung von allfälligen Verbesserungen in diesem Bereich. Derzeit ist sie an der Entwicklung der Ausbildung von Psychologinnen und Psychologen und weiteren Fachkräften beteiligt, die mit Noteinsatzkräften arbeiten. 

  • 14:00 – 15:00
    Workshop 4 POLIZEILICHE BERUFSWEGE UND CYBERKRIMINALITÄT SéBASTIEN JAQUIER (ILCE) I RENAUD ZBINDEN (ILCE) i Markus Ruchti (kapo bern)
    14:00 – 15:00
    CYBERKRIMINALITÄT – AF&E ALS WESENTLICHE ZUTAT FÜR DIE ENTWICKLUNG DER POLIZEIAUSBILDUNG

    Zusammenfassung

    Straftaten mit einer Informatikkomponente entwickeln sich rasant weiter und nehmen ständig zu. Laufend kommen neue Praktiken und Akteure ins Spiel, wie neuerdings die künstliche Intelligenz. Kriminelle Organisationen nutzen den Cyberspace seit geraumer Zeit für ihre Machenschaften. Daher ist das Angebot von Schulungen zur Stärkung der Kenntnisse und Kompetenzen für die Strafverfolgungskette von entscheidender Bedeutung. Polizistinnen und Polizisten müssen sich in diesem Angebot je nach ihren bereits bestehenden Fähigkeiten und ihrem Bedarf zurechtfinden können, um eine kluge Wahl zu treffen. Hier kommt die Plattform CyberPie ins Spiel, die diesen Prozess mit einem Beurteilungsraster erleichtert. Im Rahmen dieses Workshops wird die Plattform CyberPie vorgestellt und aufgezeigt, welchen Beitrag aF&E im Bildungsbereich leisten. Den Teilnehmenden wird die Gelegenheit geboten, sich über ihre Erfahrungen sowie ihren eigenen Bedarf und ihre Wahl der Schulungen auszutauschen.

    Präsentation Jaquier & Zbinden: «Cyberkriminalität» 

    SÉBASTIEN JAQUIER (Institut de Lutte contre la Criminalité économique, HeArc)

    Sébastien Jaquier ist Dekan des ILCE. Der Wirtschaftsinformatiker und Betriebsökonom absolvierte ein Nachdiplomstudium in der Bekämpfung von Wirtschaftskriminalität (MAS LCE). Er verfügt über eine langjährige Erfahrung im Projektmanagement und in der Ausbildung in den Bereichen Wirtschafts- und Cyberkriminalität. Sébastien Jaquier beaufsichtigt mehrere Weiterbildungen, die sich insbesondere an die Westschweizer Akteure der Strafverfolgungskette richten, und arbeitet an verschiedenen nationalen Projekten im Bereich der Bekämpfung der Cyberkriminalität mit.

    RENAUD ZBINDEN (Institut de Lutte contre la Criminalité économique, HeArc)

    In seinem Bachelorstudium in Wirtschaftsrecht erlangte Renaud Zbinden solide Grundlagen in ökonomischen und rechtlichen Belangen. Anschliessend absolvierte er ein Nachdiplomstudium in der Bekämpfung von Wirtschaftskriminalität (MAS LCE).

    Dank der Kombination von Kompetenzen in den Bereichen Wirtschaft, Recht und Wirtschaftskriminalität verfügt Renaud Zbinden über eine umfassende und multidisziplinäre Perspektive auf Themen der Wirtschafts- und Cyberkriminalität. In seinen Forschungsarbeiten befasste er sich u. a. mit Online-Betrug, dem Darkweb, Lebensmittelbetrug, Betrug im Zusammenhang mit Umweltthemen und Geldwäscherei.
    Im Rahmen des BA-Studiengangs Wirtschaftsrecht und des MAS LCE ist er auch in der Lehre aktiv.

    HERAUSFORDERUNGEN IN DER BEKÄMPFUNG DER CYBERKRIMINALITÄT

    Zusammenfassung       

    Der Vortrag beleuchtet die zunehmenden Herausforderungen in der Bekämpfung der Cyberkriminalität und analysiert, welche entscheidenden Kompetenzen Polizistinnen und Polizisten in naher Zukunft benötigen, um effektiv gegen diese Bedrohungen vorzugehen. Dabei werden aktuelle Entwicklungen im Bereich der Cyberkriminalität sowie die notwendigen Fähigkeiten und Kenntnisse zur Bewältigung dieser Herausforderungen präsentiert.

    Präsentation Ruchti: «Herausforderungen in der Bekämpfung der Cyberkriminalität» 

    MARKUS RUCHTI (Kantonspolizei Bern)

    Über mehrere Jahre hinweg arbeitete Markus Ruchti im Bereich Systems Engineering, bevor er 2002 zur Kantonspolizei Bern wechselte. Dort hatte er massgeblichen Anteil am Auf- und Ausbau des Fachbereichs für digitale Forensik. Im Jahr 2010 übernahm er die stellvertretende Leitung der Abteilung und die Führung der Computer Forensik mit den beiden Bereichen Cyber- und digitalisierte Kriminalität. Zusätzlich leitet er als OD-Kader das Open Source Intelligence Detachment bei Sondereinsätzen. Seit dem Sommer 2023 ist Markus Ruchti für die Leitung des Ermittlungsdezernats für digitale Kriminalität DigiKri verantwortlich. Im Rahmen seiner Tätigkeit vertrat er den Kanton Bern in verschiedenen Gremien wie der Cyber-Landsgemeinde, der nationalen Strategie zur Bekämpfung der Cyberkriminalität und der AG Ausbildung Cyber. Diese Expertengruppen legten den Grundstein für das Netzwerk für digitale Ermittlungsunterstützung (NEDIK) und die Ausbildungskonzepte der AG Ausbildung Cyber.

  • 14:00 – 15:00
    Workshop 5 AUS- UND WEITERBILDUNG UND INNOVATION CHRISTOPH ALTMANN (KOMPETENZZENTRUM EXTENDED REALITY DER ZÜRCHER POLIZEIKORPS, FOR UND ZHPS) | Paul baty, george rippon (COLLEGE OF POLICING)
    14:00 – 15:00
    XR Extended Reality bei Polizei – neue digitale Technologien für Ausbildung, Training und Einsatz

    Zusammenfassung

    In diesem Beitrag geht es um die Verwendung von Extended Reality (XR) bei der Polizei und darum, welche Rollen und Kompetenzen für die Entwicklung von Content und den Betrieb solcher Systeme in Zukunft benötigt werden. XR umfasst Virtual Reality (VR), Augmented Reality (AR) und Mixed Reality (MR). Diese Technologien ermöglichen es, digitale Inhalte in die reale Welt zu integrieren, und bieten neue Möglichkeiten für das Lernen, Trainieren und den Einsatz. Die spezifischen Eigenschaften von XR wie Immersion, Interaktion, Visualisierung und Simulationsmöglichkeiten können genutzt werden, um Vorteile und Mehrwert für die Polizei zu schaffen. Zum Beispiel ist es möglich, dass Mitarbeitende der Polizei in einer sicheren virtuellen Umgebung trainieren, um sich auf reale Situationen vorzubereiten. Auch können komplexe Sachverhalte zur Unterstützung des Verständnisses visualisiert werden. Es gibt viele Möglichkeiten, wie XR bei der Polizei eingesetzt werden kann, um die Arbeit effektiver und sicherer zu gestalten. Anhand von Beispielen aus dem Blaulichtalltag wird gezeigt, wie AR, MR und VR eingesetzt werden können. Für die Entwicklung sowie den Betrieb von XR-Anwendungen im polizeilichen Kontext werden verschiedene Rollen und Kompetenzen benötigt, darunter 3-D-Designer/-innen, Operatoren/-innen, Programmierer/-innen, Techniker/-innen sowie Fachpersonen und Ausbildende, welche in enger Zusammenarbeit entsprechende XR-Lösungen entwickeln und erarbeiten. 

    Präsentation Altmann: «XR Extended Reality bei Polizei» - Video 1 - Video 2

    CHRISTOPH ALTMANN (Kompetenzzentrum Extended Reality der Zürcher Polizeikorps, FOR und ZHPS)

    Nach der zweijährigen Polizeiausbildung verrichtete Christoph Altmann ab 2010 als Sachbearbeiter auf verschiedenen Dienststellen sowie dem Sonderkommissariat der Stadtpolizei Zürich seinen Streifendienst. Ab 2012 erfolgte ein Wechsel zur Interventionseinheit Skorpion, wo er im 2017 zum Einsatzleiter 2 befördert wurde.

    2018 wechselte er in die Profiinstruktion, leitete u. a. Interventionseinsätze und war als Projektleiter für die Einsatztrainingssimulatoren VirTra 300 Virtual Reality tätig.

    Seit 2021 ist er Fachspezialist für digitale Lern- und Trainingssysteme und Projektleiter des Kompetenzzentrums Extended Reality der Zürcher Polizeikorps.

    Nebst seiner Haupttätigkeit engagierte er sich auch in verschiedenen Nebenämtern. Er war Berater im europäischen Projekt Shotpros.eu, Klassenlehrer für das SPI "Taktisches Verhalten" sowie Zugführer und Instruktor im Ordnungsdienst. Christoph Altmann hat eine Vielzahl von Weiterbildungen absolviert, darunter das CAS Projektmanagement und das CAS Extended Reality. In seiner Freizeit ist Christoph als Jäger mit Fähigkeitsausweis aktiv und betreibt verschiedene polysportive Aktivitäten.

    HYDRA TRAINING

    Zusammenfassung

    Hydra ist ein immersives Übungstool, das in der britischen Polizei zur Verbesserung der Entscheidungsfähigkeit von Polizisten/-innen und anderen Einsatzkräften verwendet wird. Es kann in zahlreichen Schulungssituationen eingesetzt werden, von komplexen kriminalpolizeilichen Ermittlungen bis hin zur Bewältigung kritischer Grossereignisse.

    In dieser Präsentation wird aufgezeigt, wie und warum die Übungsmethode Hydra entwickelt wurde, welche Ziele sie verfolgt, wie sie in die Praxis umgesetzt wird und welche Vorteile sie für eine Vielzahl polizeilicher Ausbildungen bietet.

    Präsentation Baty & Rippon: «Hydra Training»

    PAUL BATY (College of Policing)

    Paul Baty arbeitet seit 15 Jahren am College of Policing, wo er die Konzeption und Durchführung der Hydra-Übungen und anderer immersiver Schulungsprodukte leitet. Zuvor war er bei der Polizei Durham, der National Crime Squad und der Serious and Organised Crime Agency als Frontpolizist, Ermittler, verdeckter Ermittler und Ausbilder tätig.

     

     

    GEORGE RIPPON (College of Policing)

    George Rippon arbeitet seit fünf Jahren am College of Policing, wo er für verschiedenste polizeiliche Fachbereiche Hydra-Übungen entwickelt und durchführt. Zuvor war er als Medienproduzent und Dozent in der Hochschullehre tätig.

  • 14:00 – 15:00
    Workshop 6 KADERAUS- UND -WEITERBILDUNG alexis hunter (scotland police) I STEFAN AEGERTER (SPI)
    14:00 – 15:00
    Programm "Your leadership matters"
    ALEXIS HUNTER (Scotland Police)

    Alex Hunter trat im Jahr 2021 als Leiterin Leadership and Talent in die schottische Polizei ein. Sie ist am Hauptsitz der Police Scotland sowie am Police Scotland College in Tulliallan in Schottland tätig.

    Im Rahmen der Entwicklung und Umsetzung des Führungs- und Talentmanagementsystems der schottischen Polizei ist Alex Hunter für die strategische Ausrichtung und Fachberatung zuständig. Ziel des Managementsystems ist die Schaffung von Führungspersönlichkeiten, die sich durch Integrität, Mut, Teamgeist und Einfühlungsvermögen auszeichnen.

    Hunter arbeitete unter anderem an der Einführung von «Your Leadership Matters», dem ersten Programm der schottischen Polizei zur Entwicklung von Leadership-Kompetenzen, und lancierte «MyCareer», einen neuen Ansatz für individuelles Leistungs- und Entwicklungsmanagement. Ausserdem stellte sie sicher, dass die Ergebnisse des «Accelerated Leadership»-Programms künftigen Polizeikadern zur Verfügung stehen und sorgte für die Vermittlung der Kompetenzen, die zur erfolgreichen Mitarbeiterführung nötig sind. Zu ihren beruflichen Erfolgen gehört ein nationales Mentoringprogramm sowie ein Coachingprogramm für Kader und höhere Kader. Zudem verfügt Alex Hunter über eine Zertifizierung für die Ausbildung von Unteroffizieren/-innen sowohl hinsichtlich der polizeilichen Handlungs- als auch der Führungskompetenzen. Des Weiteren fördert sie das Kompetenz- und Wertemanagementsystem der schottischen Polizei und leitet die Teams Leadership and Talent Consultants und Programme Tutors.

    Sie ist Expertin für die Entwicklung von Führungs- und Managementkompetenzen, Berufseinstieg sowie Teamentwicklung und verfügt über langjährige Erfahrung in der Leitung von Lern- und Entwicklungsprogrammen in bedeutenden Organisationen des öffentlichen, privaten und tertiären Sektors des Vereinigten Königreichs, darunter UK National Health Service, Local Government, Aegon financial services, Iberdrola, Scottish Power, Scottish Children’s Reporter Administration, Action for Children, Forestry Commission, Jabil Inc und Caledonian MacBrayne Ltd.

    Alex Hunter verfügt über einen Nachdiplomabschluss mit Auszeichnung in Leadership Practice sowie einen Honours Degree in Arbeitsbeziehungen. Sie ist Mitglied des Chartered Institute of Personnel and Development, der International Association of Facilitators sowie der British Psychological Society und besitzt die Akkreditierung für Myers Briggs und Insights Discovery.

    Alex Hunter hat zwei Kinder im Teenageralter und verbringt ihre Freizeit gerne draussen in der Natur oder mit Freunden.

    LEADERSHIP UND PUBLIC VALUE BEI DEN SCHWEIZERISCHEN POLIZEIEN

    Zusammenfassung

    Die Polizei befindet sich in einem Kontext besonders schneller Veränderungen. Die Polizeikräfte stehen unter erheblichem Druck, da sie mit gekürzten Budgets und einer veränderten Nachfrage konfrontiert sind. Der technologische Fortschritt wird den Polizeiberuf in allen Bereichen und auf diverse Arten verändern. Gleichzeitig steigen die Erwartungen der Öffentlichkeit an die Polizeiarbeit, während die Sphäre der öffentlichen Sicherheit immer mehr Anspruchsgruppen umfasst. Die Gesellschaft ist zunehmend technisch versiert und erwartet dasselbe von der Polizei.

    Dieser sich wandelnde Kontext erfordert zwangsläufig weitreichende Veränderungen in der Art und Weise, wie die Polizei ihre Arbeit verrichtet. Für die polizeilichen Führungskräfte bedeutet dies, dass die Kompetenzen künftiger Kader zur Führung ihrer Organisationseinheit anspruchsvoller, komplexer und spezialisierter werden.

    Wie definieren wir also künftig Police Leadership? Was steht hinter dem Begriff Police Public Value? Wie soll die Aus- und Weiterbildung von Kadern und Spezialisten/-innen bei den Schweizer Polizeien diesen wegweisenden Umbruch auffangen?

    Präsentation Aegerter: «Leadership und Public Value bei den schweizerischen Polizeien»

    STEFAN AEGERTER (Schweizerisches Polizei-Institut)

    Stefan Aegerter, Jahrgang 1975, studierte an der Militärakademie ETH Zürich und an der Universität Bern. Bevor er 2016 ans SPI kam, war er als Berufsoffizier tätig. Stefan Aegerter ist seit 01.01.2022 Direktor des Instituts und in dieser Funktion Mitglied der Konferenz der Kantonalen Polizeikommandantinnen und -kommandanten der Schweiz (KKPKS). Darüber hinaus ist er Projektleiter des Bildungspolitischen Gesamtkonzepts Polizei (BGK). Er vertritt die Schweiz im Vorstand der MEPA und im Governing Board der AEPC sowie bei CEPOL. Am Institute of Criminology der Universität Cambridge ist er Mitglied im International Advisory Board. Stefan Aegerter hat Einsitz in verschiedenen Programmleitungen von CAS- und DAS-Lehrgängen an Schweizer Hoch- und Fachhochschulen im Bereich Polizeiführung und -einsatz. Er ist Präsident der nationalen Prüfungskommissionen «Polizistin / Polizist mit eidg. Fachausweis / eidg. Diplom». Als Oberst in der Schweizer Armee leistet er Dienst im Stab Landesregierung.

  • 15:00 – 15:15
    Pause
  • 15:20 – 16:00
    Referat Test, Einführung und Replikation von polizeilichen Video-Einsätzen (Rapid Video Response, RVR) bei häuslicher Gewalt: Wie kann sich die lokale und regionale Polizeiarbeit in Grossbritannien strukturell wandeln? Stacey Rothwell MSt. (Cantab) CMgr FCMI, Network Director für sieben Polizeikorps in England
    15:20 – 16:00
    TEST, EINFÜHRUNG UND REPLIKATION VON POLIZEILICHEN VIDEO-EINSÄTZEN (RAPID VIDEO RESPONSE, RVR) BEI HÄUSLICHER GEWALT: WIE KANN SICH DIE LOKALE UND REGIONALE POLIZEIARBEIT IN GROSSBRITANNIEN STRUKTURELL WANDELN?

    Zusammenfassung

    Rapid Video Response (RVR) bietet die Möglichkeit, bei gewissen Fällen von häuslicher Gewalt Polizeieinsätze zeitnah per Videoanruf durchzuführen. Die Dienstleistung wurde in einer modularen randomisierten kontrollierten Studie getestet. Sie zeigte, dass sie die Zufriedenheit der Opfer verbessert, die Bearbeitungsdauer verkürzt und die Zahl der Festnahmen erhöht. Nachdem die Testphase der Studie bei der Polizei Kent, einer mittelgrossen Polizei in England, abgeschlossen war, wurde RVR im Mai 2022 eingeführt. Seither wurde RVR im Rahmen des Eastern Region Innovation Network (ERIN) bei fünf weiteren Polizeikorps Ostenglands dank eines assistierten Einführungsmodells nachgebildet. Über 5000 Oper wurden auf diese Weise erfolgreich betreut. Dieser evidenzbasierte Ansatz wandelt die Art und Weise, wie der Erstkontakt mit hilfesuchenden Opfern bei den Polizeien in England gehandhabt wird.

    Präsentation Rothwell: «Test, Einführungen und Replikation von polizeilichen Video-Einsätzen»

    referentin
    STACEY ROTHWELL (Eastern Region Innovation Network)

    Stacey Rothwell leitet das Eastern Region Innovation Network (ERIN), das sieben Polizeien Ostenglands umfasst. Sie verfügt über rund 25 Jahre Berufserfahrung bei der Polizei – sowohl als uniformierte als auch als zivile Mitarbeiterin. In ihrer vorangehenden Funktion als Beraterin für kontinuierliche Optimierung der Innovations-Taskforce bei der Polizei Kent fungierte sie als Projektmanagerin für die Einführung eines evidenzbasierten Ermittlungstools (Evidence Based Investigation Tool, EBIT), das anhand eines Algorithmus die Lösbarkeit von Verbrechensfällen zu evaluieren hilft. Stacey Rothwell hält einen Master in Polizeiführung und angewandter Kriminologie der Universität Cambridge und wurde zum Mitglied der Academy of Experimental Criminology (Akademie für experimentelle Kriminologie) ernannt. Sie ist zertifizierte Projekt- und Programmmanagerin und hat einen Abschluss in Management. In den vergangenen zwei Jahren arbeitete sie an zwei randomisierten kontrollierten Studien bei der Polizei Kent, bei denen zunächst Telefon- und später Video-Einsätze (RVR) für Opfer von häuslicher und nichthäuslicher Gewalt getestet wurden. In ihrer Rolle als Network Director für ERIN begleitete sie jüngst mit Unterstützung des Innenministeriums, der Polizei Kent und des wissenschaftlichen Beraters des Polizeipräsidenten die weitere Umsetzung von RVR in fünf Polizeikorps Ostenglands. Als Direktorin von ERIN trägt sie entscheidend zur Koordination der Innovation der ostenglischen Polizeikorps bei. Auf sie geht der Aufbau eines Kompetenzzentrums für die Entwicklung, Umsetzung und Replikation von evidenzbasierter Forschung, besten Praktiken und neuen Technologien zurück. Die Leitung von ERIN liegt bei Deputy Chief Officer Drysdale und den sieben Chief Constables. Das Netzwerk kann bereits auf einige Erfolge beim Austausch von Innovation und bei der Einführung neuer Formen der (Zusammen-)Arbeit auf regionaler Ebene zurückblicken.  

  • 16:00 – 16:15
    SCHLUSSWORTE UND VERABSCHIEDUNG STEFAN AEGERTER (SPI)
    16:00 – 16:15
    referent
    STEFAN AEGERTER (Schweizerisches Polizei-Institut)

    Direktor

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